“Verbrannte Immobilien” ein Angstmacher?

Alle Welt warnt uns täglich vor irgendetwas, um sich gleichzeitig als Retter anzudienen, zumindest wird es in den Medien so verbreitet. Eigentlich müssten uns all die Warnungen der selbst ernannten Propheten unseren nächtlichen Schlaf rauben.

Natürlich warnen auch die Makler vor etwas Gewichtigem, nämlich das Verkäufer durch eine unprofessionelle Eigenvermarktung Ihre Immobilie “im Markt verbrennen” -gottlob nur im übertragenen Sinne. Die Argumentationskette ist dabei folgende: Der Laie kennt nicht den “korrekten, marktnahen Preis”, das führt dazu, dass er zu “unrealistischen Preisvorstellungen neigt”, was wiederum dazu führt, dass die Immobilie “zum Ladenhüter wird, den jeder kennt und keiner mehr will. Um überhaupt noch zum Abschluss zu kommen, wird am Ende weit unter Preis verramscht.” Die Zitate stammen aus einem Artikel der Welt am Sonntag, den Sie hier finden. Auffallen um jeden Preis

Warnung nicht ohne Eigennutz
Die Warnung soll natürlich potenzielle Immobilienverkäufer davor abschrecken, sich allein schon mit dem Gedanken zu tragen, ihr Wohneigentum selbst zu vermarkten. Hier bietet sich der wohlmeinende Makler als Feuerwehrmann an, der durch umsichtige Ermittlung des korrekten, marktnahen Preises und aufgrund seiner langjährigen Markterfahrung es zu Ihrem alleinigen Nutzen erst gar nicht dazu kommen lässt, dass Ihre Immobilie verbrannt wird. “Ein Schelm, der Böses dabei denkt.” Lieber den Spatz in der Hand … oder lieber eine geringe Provision jetzt, als eine bessere in weiter Zukunft.

Dabei stellt sich doch die Frage, ob es überhaupt einen korrekten, geschweige denn einen objektiven Preis gibt. Jede Immobilie ist einzigartig in Bezug auf die Lage, die Größe, die Architektur, Zahl der Räume, die Raumaufteilung, die Ausstattung, das Alter, den Pflegezustand, die Grundstücksgröße und den -zuschnitt, die Nachbarschaft, die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, die Lärm- und Geruchsbelästigung, das Ansehen des Wohngebietes und vieles mehr. So unterschiedlich die potenziellen Käufer den Stellenwert der einzelnen Kriterien bewerten, so unterschiedlich ist auch deren - natürlich subjektive - Wertschätzung in Bezug auf die Immobilie.

Der wirklich nachprüfbare Wert einer Immobilie bemisst sich letztlich daran, welchen Preis der Käufer bereit war zu zahlen und der Verkäufer bereit war akzeptieren. Wären mehrere potenzielle Käufer am Objekt interessiert gewesen, wäre der Kaufpreis wohl höher ausgefallen. Alles hätte auch ungünstiger laufen können.

Feuerwehrmann als Brandstifter?
Wenn ein Objekt mit einem Preis auf dem Markt ist, für den sich im Augenblick kein Käufer findet, gibt es drei Lösungsansätze

1. Die einfachste, einfallslose Lösung: Niedriger Preisansatz und schrittweise Preissenkungen

2. Die Aussitz-Lösung: Abwarten bis der den Preis akzeptierende Interessent sich meldet

3. Die strategische Lösung: Die strategisch orientierte Online-Vermarktung

Der dritte Lösungsweg ist die aufwändigste Methode. Sie fordert innovative und ideenreiche Verkaufsansätze. Falls diese Vorgehensweise nicht zum Erfolg führt, könnte der Zeitraum der Vermarktung ausgeweitet werden. Gegebenenfalls könnte der Verkäufer auch moderate Preiszugeständnisse machen. All diese Instrumente gezielt eingesetzt bringen den Erfolg. Wenn Sie Ihre Immobilie lieber verschenken wollen, sollten Sie diesen beschwerlichen Weg nicht gehen.

Wer nur den 1. Lösungsweg aus geistiger Bequemlichkeit wählt oder den Verkäufer dazu animiert, darf sich berechtigter Weise des “Verramschens” bezichtigen.

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